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John Bull: In Nomine VI+XII

By John Bull / Marton Iles

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Clarinet, cello, piano
Composed by John Bull / Marton Iles. Edition Breitkopf.


World premiere: Karlsruhe (Festival Zeitfluss), October 31, 2013

Score and parts. Breitkopf and Haertel #EB-9248. Published by Breitkopf and Haertel (BR.EB-9248).

Item Number: BR.EB-9248

ISBN 9790004185483. 9 x 12 in inches.

Bei den ,,In Nomine-Stucken handelt es sich um die Gegenuberstellung von unterschiedlichen Zeitmassen. Die gedehnte Zeit des durchgehenden Cantus firmus ,,Gloria Tibi Trinitas, dem unterschiedlich schnelle, figurative Bewegungsablaufe entgegengesetzt werden, ist ein gutes Beispiel fur die Spannungserzeugung in der Musik. Die Uberlagerung von stark divergierenden Zeitmassen und Spannungstemperaturen ist eine Extremform der Polyphonie, die aus den Rahmen dieser heraustretend die gleichzeitige Anwesenheit unterschiedlicher musikalischer ,,Dimensionen spuren lasst.

Das von mir mit dem Begriff ,,Polydimensionalitat beschriebene Phanomen ist beinahe in allen Epochen der Musikgeschichte anzutreffen: im Fruhen Mittelalter bei Perotin, Vitry oder spater bei den Komponisten der Ars subtilior, dann in der italienischen und niederlandischen Vokalpolyphonie, und in den Choralvorspielen von Bach ebenso wie spater bei Ives oder Ligeti. Dieses ,,Divergenzbedurfnis ist auch in mehreren meiner Werke wieder zu finden, und vielleicht ist das der entscheidende Grund, warum mich diese Bull-Stucke so sehr faszinieren.

Ein anderer inspirierender Aspekt und der eigentliche ,,Casus belli der Instrumentationsarbeit ist das enorme, inharente Farbpotenzial der Stucke. Diese heterogenen Linientexturen lassen sich in der Kombination der drei Instrumente wie ungewohnlich flexible Orgelregister mischen und differenzieren. Es geht aber noch einen Schritt weiter: Durch die besondere Farbenverteilung treten einzelne Linien- und Motivfragmente aus der ansonsten geschmeidig in sich verwobenen Textur plastisch hervor oder eben in den Hintergrund. Dieses Verfahren lasst in das intimste Innere des Werkes blicken und verleiht ihm eine beinahe naturalistische Plastizitat und Haptik, wie wenn man eine noch nicht ganz reife, hellgrune Feige in ihrer, in Form und Farbe harmonischen Ruhe plotzlich auf- und unterbricht und von der unerwarteten Unruhe des stachelig, feurig wuchernden Fruchtfleisches fur einen Moment in analytisch beobachtende Aufregung gerat.

(Marton Illes, 2013)

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