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Harto

study score

By Manuel Hidalgo

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Orchestra (3(3picc.A-fl).3(cor ang).4(B-clar).3(dble bsn) - 4.3.3.1(tuba) - perc(4) - hp - pno(cel) - str: 12.12.10.8.6.)
Study score. Composed by Manuel Hidalgo. Partitur-Bibliothek (Score Library).


World premiere: Donaueschingen (Donaueschinger Musiktage), October 16, 1983

20th Century (after 1950). Study score. Breitkopf and Haertel #PB-5119-07. Published by Breitkopf and Haertel (BR.PB-5119-07).

Item Number: BR.PB-5119-07

ISBN 979-0-004-20867-0. 9 x 12 in inches.

Jeder Kultur wohnt eine Moral inne, welche die menschlichen Handlungen bewertet und in zwei Kategorien einteilt: gut/schlecht, positiv/negativ usw. Der Titel HARTO - zu deutsch: satt, uberdrussig - bezieht sich auf das Unbehagen, das diese dichotomische Auffassung hervorruft: eine Auffassung, die gleichwohl in uns verwurzelt ist und gerade darum den Prozess Wahrnehmung Ausserung Kenntnis beeinflusst, ihm zugehort.
Tatsachlich wird das musikalische Phanomen dualistisch konzipiert: Klang = Ton/Gerausch; Tonhohenanordnung = Konsonanz/Dissonanz, tonal/atonal; Struktur = symmetrischer Bau (Vordersatz/Nachsatz), das scholastische Ideal des Gleichgewichts, das seinerseits eine Symmetrieachse zur Voraussetzung hat.
Diese Strukturierung des Materials ergibt sich aus dem fast ausschliesslichen Interesse des Komponisten an den expressiven Moglichkeiten des musikalischen Apparats. Die Motivation des Komponierens aus dem Drang, etwas Inneres ausdrucken zu mussen, erscheint mir jedoch heute der Grundlage zu entbehren und folglich auch unnotig. Die letztliche Daseinsberechtigung dieser Motivation liegt in der dualistischen Vorstellung, die beim Menschen zwischen Leib und Seele unterscheidet. Ein Bluff, Produkt kleinlicher Disputiersucht. Eine Analyse auf der Basis empirischer Logik stellt fest, dass es keine Seele gibt, sondern ein Nervensystem mit bestimmten Fahigkeiten, und dass nichts auszudrucken ist, weil Musik die Empfindungen des Komponisten nicht wiedergeben kann. sondern lediglich unbestimmte Eindrucke im Horer erzeugt. Da aber jede bewusste Wahrnehmung Erkenntnis ist, ware es nun die Aufgabe des Komponisten, Musik mit diesem Ziel, das heisst: Musik als Erkenntnismittel zu schaffen. Dies alles ist der Versuch, die Erkenntnistheorie von David Hume und anderen, spateren Epistemologen auf Musik anzuwenden. Der Beitrag des Empirismus zur Erkenntnistheorie wurde zwar in der wissenschaftlichen Forschung genutzt, fand jedoch in der Kunst kaum, in der Musik keinerlei Beachtung. Warum? Vielleicht, weil in der Musik noch immer der naive, >>expressive<< Komponist vorherrscht, den das elitar-bourgeoise Publikum verlangt und dem es applaudiert. Der Einwand, dass Kunst immer bourgeois war und es weiterhin ist, gibt zwar keine Losung, sollte aber auch nicht unterschatzt werden.
Ich habe HARTO in zwei Teilen konzipiert, wobei jeder Teil im Verhaltnis zum anderen sowohl irgendwie das gleiche als auch das Gegenteil darstellt. Der Grund fur diese Zweiteilung des Werkes ist leicht aus dem vorhin Gesagten abzuleiten. Als Vorarbeit zur Komposition habe ich versucht, die historische dichotomische Gestaltung des Materials besonders hervorzuheben, und zwar durch eine Potenzierung jener Aspekte, die diesen -zweigeteilten<< Charakter in sich tragen. Ich habe also den Zeitverlauf lediglich als eine Folge von Spannungs- und Entspannungs-Einheiten betrachtet; ich habe Tonhohen-Anordnungen verwendet, die ausschliesslich auf Symmetrie beruhen; ich habe zweiteilige Strukturen aufgebaut, deren Halften durch eine Pause mit konstantem Wert geteilt sind; ich habe - je nach den Moglichkeiten des Orchesters - den Gerausch- oder Tonanteil des Klanges ubertrieben. Dieser Gedankengang wurde im Hinblick darauf realisiert, neue Anwendungsmoglichkeiten zu finden, die fur das Ziel einer Musik als Erkenntnismittel von Nutzen sein konnen.
(Manuel Hidalgo)

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